Familie Zurlauben

Konradshof

1488 erhielt der erste Vertreter der Familie Zurlauben in Zug das Bürgerrecht. In kurzer Zeit wurden Zurlauben in die städtischen und ständischen Behörden von Zug gewählt und besetzten über Jahrhunderte höchste politische und militärische Ränge.
Fast zwei Drittel der 60 Zurlaubenmänner, welche zwischen 1500 und 1789 das 15. Altersjahr erreichten, standen als Söldner in französischen Diensten, einige auch im Dienst des Heiligen Stuhls, Savoyens, Spaniens, Venedigs und der Toskana. Von 1619 bis zum Ausbruch der französischen Revolution befehligten die Zurlauben zudem eine Kompanie im königlichen Garderegiment von Frankreich – die stolzeste Truppe eidgenössischer Söldner in französischen Diensten.
Politisch wirkten die Vertreter der einflussreichen aber zahlenmässig kleinen Familie Zurlauben als Ratsmitglieder von Stadt und Amt Zug. Während fast 150 Jahren besetzten sie als Landammänner auch das höchste Amt von Zug. Sie nahmen an den eidgenössischen Tagsatzungen teil und wohnten als Gesandte verschiedenen europäischen Friedensverhandlungen bei. In den freien Ämtern wirkten sie als Landschreiber und Landvögte.
Ihre Macht wussten die Zurlauben über mehrere Generationen zu behaupten: Sie besassen das Monopol über den Zuger Salzhandel und wirkten als Austeiler der französischen Pensionen – Gelder, mit welchen die französische Krone Entscheide der eidgenössischen Orte zu beeinflussen versuchte. Die französische Praxis der Bevorzugung einzelner Machteliten geriet jedoch Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend in Kritik, sodass die Zurlauben ihre Vormachtstellung allmählich einbüssten.

Einzelne Vertreter der Familie

1587 erlangte Beat Zurlauben (1533-1596) erstmals das Ammannamt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Familie Zurlauben auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Beat Jakob Zurlauben (1615-1690) stand im Dienst von Frankreich, Venedig, der Toskana, Modena, Savoyen und Florenz. Als Austeiler der französischen und savoyischen Pensionen, als Landschreiber der Freien Ämter und sowie als Amman von Stadt und Amt Zug übte er grossen Einfluss auf das innen- und aussenpolitische Geschehen seiner Zeit. Seine Söhne Beat Kaspar (1644-1706), Beat Jakob und Fidel Zurlauben waren ebenfalls Ammänner. Plazidus (1646-1723), Gerold (1649-1735) und Maria Ursula (1651-1727) wirkten wiederum als Äbte bzw. als Äbtissin.

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Der letzte männliche Nachkomme Beat Fidel Zurlauben betätigte sich neben der militärischen Karriere als Historiker. Er verfasste eine achtbändige Geschichte der Schweizer Offiziere im Dienst Frankreichs («Histoire militaire des Suisses au service de la France» 1751-53) mit den vier Ergänzungsbänden «Code militaire des Suisses» (1758-64) und veröffentlichte 1780-88 die illustrierten «Tableaux topographiques, pittoresques, physiques, historiques, moraux, politiques, littéraires, de la Suisse». Er hinterliess eine weitläufige Korrespondenz mit Gelehrten wie Gottlieb Emanuel von Haller oder Johann Jakob Leu.

Stammtafel der Familie Zurlauben (PDF download)
Stammtafel der Familie Zurlauben, überarbeitet 30.09.2017 (PDF download)